Stoffe und Statements
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Aktivismus auf dem Laufsteg Stoffe und Statements

Die Mode war lange nicht so politisch wie heute: Auf den Modewochen gibt es kaum eine Schau, die ohne Plakate oder politische Aussagen auskommt. Ist das alles nur Marketing? Die Modemacher jedenfalls sagen: Es ist an der Zeit, etwas zu tun.

Zeigt Solidarität: Leyla Piedayash, Chefin von Lala Berlin.

Quelle: GETTY IMAGES

Hannover.  

Wir sind alle Einwanderer

von Comme des Garçons allerdings hat bei ihrer jüngsten Schau eine recht eindeutige Sprache gefunden. Sie schickte ihre Models in kurven- und beulenartigen Schläuchen, mit Polstern an den unmöglichsten Stellen über den Laufsteg in New York. Was die Kritiker sahen, erinnerte in etwa an die kugelrunden und liebenswerten Nanas, die Künstlerin Niki de Saint Phalle einst erschaffen hatte. Die Botschaft dahinter schließlich lautete: Vergesst den weiblichen Körper als Projektionsfläche, jeder Körper ist anders, perfekte Formen gibt es nicht – und man sollte auch nicht danach streben. Schließlich gibt es im echten Leben doch wichtigeres, oder?

Neue Formen bei Rei Kawakubo.

Quelle: picture alliance / Photoshot

Wir stehen auf Pink

Zu sehen waren sie kaum, aber in Zeiten, in denen pinkfarbene Mützen es in die Abendnachrichten schaffen, wurde die Farbe der Schuhsohlen beim Designerduo – damals noch neu als Kreativchefin bei Dior – im September 2016, also nur wenige Monate vor dem Women’s March, Furore machte, kostet im Handel knapp 500 Euro. Da macht es nichts, dass es schon ausverkauft ist. Die Geschichte dahinter lohnt sich aber zu erzählen: Ursprünglich hatte die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie bei den “TED-Talks“, einer Kreativkonferenz im US-Staat Kalifornien, einen Vortrag unter dem Titel gehalten, dann zitierte Beyoncé die Zeile in ihrem Song “Flawless“. Spätestens, seitdem er auf dem Dior-T-Shirt landete, gilt der Satz als geflügeltes Wort. Chimamanda Ngozi Adichie wusste diese Ehre zu schätzen. Bei der Präsentation von Dior saß sie in der ersten Reihe.

Starke Ansage: Feminismus auf einem Dior-T-Shirt

Quelle: www.capitalpictures.com

Balenciaga und Bernie Sanders

Möglicherweise war es eine Premiere: Das Design einer US-Partei im Wahlkampf inspiriert einen Designer. Dass ausgerechnet Modemuffel Bernie Sanders ein Label zu Zitaten inspirierte, sorgte bereits für zahlreiche Lacher. Die Models, die für das Label Balenciaga mit dem Sanders-ähnlichen Logo auf ihren Capes über den Laufsteg liefen, wirkten allerdings sehr ernsthaft. Die Hommage an den ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders hat Balenciagas Chefdesigner , der sich dafür starkmachte: “Planned Parenthood Saves Lives“ stand auf einem der Plakate. Und der Modemacher hatte mit seinem Mix aus Street-Style und Businessmode noch mehr zu sagen: “Bridges not Walls“, “Not my Government“ und “Refugees welcome“, waren nur einige der politischen Anmerkungen seiner Schau.

Von Dany Schrader

Hannover 52.3758916 9.7320104
Hannover
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