Pilze helfen Pflanzen
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Campus-Ansichten Pilze helfen Pflanzen

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Labor für Radioisotope dreht sich Folge 53.

Im Labor: Dr. Nicole Brinkmann, Bernd Kopka und Gabriele Lehmann (v.l.).

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Pilze helfen Pflanzen, im Boden gebundenes Phosphat aufzunehmen. Wie das geschieht und wie sich der Prozess verbessern lässt, untersuchen Wissenschaftler im Göttinger Labor für Radioisotope mit einem sogenannten Photon Imager. Sie verwenden dazu radioaktiv markiertes Phosphat.

Klein und fensterlos ist der Raum. Die Klimaanlage, die unter der Decke hängt, hält die Temperatur konstant bei 23,5 Grad Celsius. „So mag es der Photon Imager am liebsten“, erläutert Bernd Kopka, der technische Leiter des Labors, das zur Abteilung Forstbotanik der Universität Göttingen gehört.

„Entwickelt worden ist das Gerät ursprünglich für Mediziner, die damit Stoffwechselreaktionen bei Nacktmäusen, einer Labormaus ohne Fell, untersuchen“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin, Nicole Brinkmann. Das 180 000 Euro teure Geräte wandle die radioaktive Strahlung in schwache Lichtblitze um, die mit einer empfindlichen Filmkamera aufgezeichnet würden. Das LARI setze den Photon Imager seit 2014 ein, um die Phosphataufnahme zu beobachten. Dazu werde radioaktiv markiertes Phosphat einer Nährlösung zugefügt. Sie komme in die geschlossene Petrischale, in der die Pflanze wachse.

Zum Hintergrund der Forschung: „Die weltweiten Vorräte des wichtigen Düngers Phosphat gehen allmählich zu Ende“, führt Brinkmann aus. Die Wissenschaft suche nach Alternativen, das natürlich im Boden vorkommende Phosphat besser zu nutzen. Für Mais gebe es bereits marktfähige Produkte, bei denen Pilze das Phosphat der Pflanze verfügbar machten. Der Pilz, der eine Symbiose mit dem Mais eingehe, erhalte im Gegenzug Zucker.

„Wir gehen mit Stoffen um, die gut das Zehnfache der Radioaktivität haben, die sich in jedem Menschen nachweisen lässt“, führt Kopka aus. Gegen Verunreinigungen schütze ein Kittel. Mitarbeiter trügen außerdem eine Personendosis-Plakette, eine verschlossene Box. Ionisierende Strahlung belichte den in ihr enthaltenen Film und mache die radioaktive Belastung messbar. Die Plaketten würden regelmäßig in einer amtlichen Messstelle in Dortmund ausgelesen.

„Beim Verlassen des Labors prüfen Mitarbeiter eine mögliche Verunreinigung mit einem Hand-Fuß-Monitor“, sagt Brinkmann. Die Hände würden gründlich mit warmem Wasser und Seife gewaschen. Kontaminierte Kleidung werde im Labor gereinigt oder an die Landessammelstelle in Jülich abgegeben.

Bewuchs und Fleischproben

Das Göttinger Labor für Radioisotope steht Wissenschaftlern offen, die mit radioaktiven Stoffen arbeiten. Es führt zudem Analysen für Untersuchungsämter verschiedener Bundesländer durch. Diese lassen Bewuchsproben, die in der Umgebung kerntechnischer Anlagen entnommen wurden, auf möglicherweise überhöhte Werte an Radioaktivität hin kontrollieren. Das LARI untersucht zudem regelmäßig Fleischproben aus einem Jagdrevier in Bayern. 20 Milliliter werden jeweils ungekühlt angeliefert. Das Fleisch wird untersucht, da Wildschweine mit Caesium 137 belastete Pilze aufnehmen. Der radioaktive Stoff gelangte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1985 über Wolken nach Deutschland.

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